Chaos Computer Club kritisiert EU-Entscheidung zu Softwarepatenten

Dieses Thema im Forum "Ihre Meinung zu Artikeln auf pcwelt.de" wurde erstellt von lib, 21. Mai 2004.

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  1. lib

    lib Byte

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    .... wieso dass ein Problem ist? Ich steig da nicht ganz durch.
    Ist mit Software-Patenten gemeint, dass der Quellcode urheberrechtlich geschützt wird? Wenn ja, wird er das nicht schon längst?
    :confused: :was:
     
  2. dave18

    dave18 Byte

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    Das mag so schon richtig sein, aber ich bin dennoch nicht davon überzeugt dass wir in die richtige Richtung gehen...

    Es wäre nicht das erste Mal dass nach einem solchen "ersten Schritt", noch relativ moderat, irgendwann dann Schritt zwei folgt, der dann schon eher ein Hämmer ist.

    Plus, wie die Meldung sagt, USA sind uns wieder mal einen Schritt "voraus".

    Ich habe nichts dagegen, wenn Firmen ihre konkreten Quellcodes schützen wollen, wobei selbst da Probleme auftreten, da bestimmte funktionen sich eben nur durch relativ feste Abfolgen von Computercodes realisieren lassen, wo zwar der Quelltext nicht "wortgleich" ist aber zumindest vom Rohbau dem selben Schema folgt. Hängt dann halt von der Patentierung ab, in wie weit dann solche Programmbausteine geschützt bzw. die kostenlose weiterentwicklung möglich ist.

    Klar, das Thema ist zwiespältig, ich kann auch verstehen wenn jemand ne geniale Idee hatte und etwas auf eine Weise macht, die sonst noch niemand versucht hat, und sich das dann gern schützen lassen würde. Aber Tatsache ist nun mal, dass sich die ganze Computerszene nur aufgrund von freier Verfügbarkeit soweit entwickelt hat, wie wir sie jetzt vorfinden, wenn vor einem Jahrzehnt jemand ein Patent ala "Übertragung von Daten zwischen zwei Rechensystemen über Telefonleitung" bekommen hätte dann würden wir hier heute sicher nicht diese Diskussion führen können. Oder wenn dann vermutlich jedenfalls nicht in dieser Form.

    Soweit ich sehen kann, sind die Änderungen, die die EU an der Gesetzesvorlage erreicht haben, zumindest schon mal ein guter Anfang.

    In diesem Sinne... 1 Kor 3,13 (Gruß Vimes :D)

    bla.
     
  3. andee

    andee Byte

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    Also, ich bin vielleicht etwas naiv, aber mit der Meldung vom 19.5. im Hinterkopf halte ich die Befürchtungen doch etwas für überzogen:

    Das Parlament hatte schon 21 Änderungen in den Kompromiss durchgesetzt, die vor allem freie Entwickler vor Hürden auf dem Softwaremarkt schützen sollen. Danach kann Software nur im Zusammenhang mit bestimmten Anwendungen bei Geräten patentiert werden. Darunter fällt beispielsweise ein Programm zur Verringerung des Stromverbrauchs eines Handys oder ein Code, mit dem Feuchtigkeitswerte in einer Waschmaschine ausgewertet werden können. Reine Softwareprogramme oder Geschäftsmethoden allein lassen sich dagegen nicht schützen. (...)
    Das europäische Patentrecht schließt derzeit noch Patentierung von Logik aus. Darunter fallen Algorithmen, mathematische Methoden, Musik und auch Computerprogramme. (...) Bisher sind Computerprogramme in Europa durch das Urheberrecht geschützt. Das Urheberrecht schützt nur den konkreten Programmiercode, nicht aber die Idee oder das Verfahren an sich.

    Diese Ausnahmeregelung würde, wenn ich das richtig verstehe, im Fall des Fortschrittsbalkens ja zum Beispiel schon mal greifen. Warum allerdings IBM dann nicht schon längst zugelangt hat?:

    In den USA hingegen können auch in Software umgesetzte Anwendungen oder Geschäftsmodelle mit einem Patent geschützt werden.
     
  4. Gast

    Gast Guest

    Verstehe das so wie Du, Toby.

    Grundproblem ist, daß dann über den Patentantrag Leute entscheiden, die von der Materie wahrscheinlich doch nicht so viel Ahnung haben.

    Diese Patentdebatte erscheint mir ähnlich "sinnvoll" wie das herumpatentieren am menschlichen Genom. Aber das ist OT.

    MfG
    Vimes
     
  5. Toby

    Toby Halbes Megabyte

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    Wenn ich das richtig verstehe bedeutet das also konkret, dass man einen Prozess und dessen jeweiliges Ergebnis jetzt patentieren lassen kann? :confused:

    Mir ist immer noch nicht ganz klar, was konkret patentierbar ist ... ist das jetzt - auf das Beispiel der ProgressBar bezogen - der Algorithmus, der den Fortschritt eines Prozesses beobachtet und den in Form der ProgressBar anzeigt?

    Dann wäre es "lediglich" die in einem Programmcode abgebildete Problemlösung, die patentiert würde - wobei sich doch dann wieder die Frage stellt, wie weit sich die Patentierung der Funktionsweise dieses Algorithmus ausdehnen lässt.

    Oder ist jetzt nicht der Algorithmus als solches sondern dessen Ergebnis - eine anwachsende Statusleiste, die den Prozessfortschritt anzeigt - patentierbar?

    Fatal denke ich, ist beides... bei visuellen Entwicklungsumgebungen (wie bei Visual Basic) mag dem Entwickler vielleicht noch zu Gute kommen, dass die Funktionen in Form von Appletts zur Verfügung gestellt werden, für die der Hersteller dann die Lizensierung übernimmt. Aber wenn einer in VC++ oder sowas programmiert, wo man sowas ja quasi "zu Fuß" macht, dann gute Nacht.

    Was denken die Herren Minister sich bei sowas eigentlich? Da haben doch schon wieder Kühe über das Fliegen und eierlegen philosophiert.

    Oder verstehe ich da was irgendwie grundsätzlich falsch daran?

    Gruß + danke,
    Toby
     
  6. dave18

    dave18 Byte

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    Hi!
    Leider geht es hier nicht darum, Quellcode als solchen zu schützen, sondern vielmehr quasi das, was durch den Quellcode erzeugt wird.
    Ein Beispiel, eine große PC-Firma (IBM afaik) hat schon vor langer Zeit Anspruch auf die "Erfindung" der sog. Progressbar erhoben, also die graphische Darstellung von z.b. dem Fortschritt einer Installation als Balken.
    Dies würde durch diese Art von Softwarepatenten/Logikpatenten erreicht. Konkret würde das heißen, dass jeder, der so eine Progressbar in seinen Programmen verwendet, eine Lizenz von IBM bräuchte, andernfalls könnte IBM gerichtlich gegen ihn vorgehen. Gerade dieses Beispiel verdeutlicht ganz gut, um welche Ausmaße es hier geht... Überleg mal, wieviele solche Progressbars allein in Windows verwendet werden...

    Mehr Infos gibts hier: http://swpat.ffii.org/index.de.htmlhttp://swpat.ffii.org/index.de.html

    -david

    P.S. Und diejenigen, die durch solche Patente wirklich in der Sch*** sitzen würden, sind weniger Firmen wie MS, die können ja verhältnismäßig leicht solche Lizenzen vom Patentinhaber erwerben, aber der Großteil der kleineren Softwareschmieden und v.a. die Open-Source Gemeinde wäre vor große Probleme gestellt, da es diesen nicht nur aus Geldgründen nur kaum möglich wäre, solche Lizenzen zu erwerben...
     
  7. wm

    wm Kbyte

    Registriert seit:
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    351
    Das ist ein Schritt zurück in die Steinzeit. Das Rad müsste jedes mal Neu erfunden werden werden. Stell dir vor, eine Firma würde erreichen via Patente volle Kontrolle über bestehende Internetprotokolle zu bekommen. Das hiesse für andere Programmierer die Programme für das Internet schreiben, das immense Zahlungen für das implementieren dieser Protokolle zu erfolgen hätten. Oder sie müssten das Rad (Protokolle) neu erfinden. Aber, welcher kleine Programmierer könnte sich das leisten?
    Das wäre das AUS für Freeware, Shareware. Und was noch schlimmer wäre, grosse Firmen wie MS würden noch mehr Kontrolle und Einfluss damit erhalten. Da sie ja über reichlich Geld verfügen.

    MfG

    Ein User
     
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