Colosseum - Arena des Todes

Dieses Thema im Forum "Ihre Meinung zu Artikeln auf pcwelt.de" wurde erstellt von nual, 15. Februar 2005.

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  1. nual

    nual Byte

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    Zur Gladiatorendokumentation, zumindest nach der Rezension der PC Welt, kann ich nur sagen, die halbe Wahrheit ist meist schlimmer als die komplette Lüge.

    Die Dokumentation kommt nicht annähernd dem Kern des scheußlichen Spektakels in Rom auf die Spur.
    Der Platz hier reicht nicht aus, die gesamte blutige Tragweite und die Menschen verachtende Motivation der römischen Herrscher zu skizzieren.
    Nur soviel, so wie die Dokumentation den Einstieg in die Gladiatorenlaufbahn darstellt ist es ein schlechtes Märchen.
    In diesem Vernichtungsstadion, dem Kolosseum, wurden überwiegend Sklaven und Verfolgte fabrikmäßig abgeschlachtet.
    Seriöse Schätzungen gehen nur allein im Kolosseum von 70000 gemordeten Menschen aus.
    Überwiegen Männer und Frauen aus den eroberten Gebieten wurden dort bestialisch, zur Unterhaltung des gemeinen Volkes, regelrecht verheizt.

    Nicht nur Mann gegen Mann, Mann gegen Tier sondern u.a. wurden Frauen vor den Augen der Zuschauer zum Sexualverkehr mit Tieren gezwungen.

    Einfach mal die Quellen nachlesen.

    Die Hollywoodfilme sind durchgängig alle ein riesen Schmarren, auch wenn sie aus England stammen.

    nual
     
  2. hcdirscherl

    hcdirscherl Administrator

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    >Die Dokumentation kommt nicht annähernd dem Kern des scheußlichen Spektakels in Rom auf die Spur.
    Das ist eine sehr emotionale Äußerung, die der Überprüfung anhand der BBC-Produktion kaum statthalten dürfte. In dem Film wird ein Provinzbewohner gewaltsam von seiner Familie getrennt und aus seiner Heimat verschleppt. Er muss als Sklave in einem Steinbruch schuften und wird anschließend zum Gladiator ausgebildet. Zufall und die Launen des Veranstalters entscheiden über Tod und Leben. Löwen werden mit Menschenfleisch darauf hin dressiert, Menschen anzufallen. Anläßlich der Einweihung des Kolosseums kommt es zu einer Massenabschlachtung. All das bringt deutlich die menschenverachtetende Einstellung der römischen Gesellschaft gegenüber Sklaven, Kriegsgefangenen und Gladiatoren zum Ausdruck.


    >Der Platz hier reicht nicht aus, die gesamte blutige Tragweite und die Menschen verachtende Motivation der römischen Herrscher zu skizzieren.
    Das ist auch kaum nötig, da die – teilweise erst kürzlich erschienene - Literatur zu diesem Thema etliche Regalmeter füllt. Die Spiele hatten unter anderem die Funktion, die Menschenmassen abzulenken und sie damit politisch ruhig zu stellen. Das wird in der Dokumentation aber auch ganz klar gesagt – wenn auch etwas arg zugespitzt auf die Person von Kaiser Titus.

    >Nur soviel, so wie die Dokumentation den Einstieg in die Gladiatorenlaufbahn darstellt ist es ein schlechtes Märchen.
    Ein Kriegsgefangener wird freiwillig zum Gladiator, um der möderischen Sklavenarbeit in den Steinbrüchen zu entgehen. Was ist daran ein schlechtes Märchen? Und der Zweikampf im Kolosseum ist beim römischen Dichter Martial nachzulesen.

    >In diesem Vernichtungsstadion, dem Kolosseum, wurden überwiegend Sklaven und Verfolgte fabrikmäßig abgeschlachtet.
    Hier muss man zwischen dem Abschlachten ganzer – für die Römer "wertloser" – unausgebildeter Menschenmassen und dem Kampf von gut – und für viel Geld - ausgebildeten Gladiatoren unterscheiden. Dieser wichtige Unterschied wird in dem Film deutlich dargelegt.
    >Überwiegen Männer und Frauen aus den eroberten Gebieten wurden dort bestialisch, zur Unterhaltung des gemeinen Volkes, regelrecht verheizt.
    Mit den "Männer und Frauen aus den eroberten Gebieten" ist das so eine Sache. Im 2. Jahrhundert nach Christus verlor Rom deutlich an Expansionsdrang, seit Kaiser Traian ist das Römische Reich nicht mehr gewachsen (von mitunter sehr kurzlebigen Eroberungen durch Marc Aurel und später durch Septimius Severus einmal abgesehen). Ergo gab es auch kaum noch Kriegsgefangene, ganz im Gegenteil gerieten viele Römer in fremde Gefangenschaft, zum Beispiel während der Markomannenkriege. Schon allein deshalb gab es kaum noch Gefangene zum "Verheizen", professionell ausgebildete Berufsgladiatoren waren also um so mehr gefragt.

    >Einfach mal die Quellen nachlesen.
    Stimmt. Aber richtig nachlesen! Natürlich schildern etliche Quellen die menschenverachtenden Vorgänge in den Amphitheatern sehr deutlich (es ist übrigens völlig falsch, nur vom Kolosseum zu sprechen. Amphitheater gab es überall, wo römische Truppen standen. Also auch in Mitteleuropa, zum Beispiel in Österreich bei Carnuntum. Die Amphitheater waren also ein wesentliches Merkmal der römischen Gesellschaft. Das Kolosseum ist nur deshalb so berühmt, weil es a) noch steht, b) sehr groß ist und c) in der antiken Literatur erwähnt wird). Auf diese Quellen stützt sich die BBC-Produktion. Andererseits sind bestimmte Schilderungen allerdings parteiisch. Besonders solche von christlichen Autoren, die eifrig an blumig ausgemalenen Märtyrergeschichten für die Zeit der Christenverfolgungen stricken. Und drittens gibt es eben durchaus – vor allem durch inschriftliche Quellen – Beweise, dass Gladiatoren durch Erfolg im Kampf die Freiheit und Wohlstand gewinnen konnten. Man muss also bei den Vorgängern in den Amphitheatern unterscheiden zwischen "Massenabschlachtungen" wehrloser Menschen (oft in Verbindung mit Tieren) und den eher typischen Gladiatorenkämpfen, für die Profis in einer langen und teueren Ausbildung herangezüchtet wurden. Um diesen, letzteren Aspekt geht es in dem Film, nicht um Christenverfolgungen oder andere Verbrechen, die natürlich auch stattfanden. Der BBC-Film setzt sich mit solchen Feinheiten differenziert auseinander und vermeidet hier ganz bewusst Verallgemeinerungen und die Reproduktion von Klischees.

    >Die Hollywoodfilme sind durchgängig alle ein riesen Schmarren, auch wenn sie aus England stammen.
    Es handelt sich hier eben nicht um einen Hollywoodfilm (der aus England kommt), sondern um eine hochwertige Produktion, die sich deutlich von primitiven Sandalenfilmen à la Gladiator unterscheidet.

    Man kann an jedem Film etwas aussetzen, aber von der Zielsetzung her ist diese BBC-Produktion gelungen. Sie schildert für ein breites Publikum die Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein eines Gladiators, über den die römischen Besitzer ganz nach deren Gutdünken entscheiden. Und sie bringt klar zum Ausdruck, wie gefährlich sein Leben war.
     
  3. nual

    nual Byte

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    ##Einfach mal die Quellen nachlesen.
    Stimmt. Aber richtig nachlesen! Natürlich schildern etliche Quellen die Menschen verachtenden Vorgänge in den Amphitheatern sehr deutlich (es ist übrigens völlig falsch, nur vom Kolosseum zu sprechen.##
    Stimmt
    Bedauerlicherweise gab es viele solcher fragwürdiger Veranstaltungsorte.
    Das macht die Sache nur noch umso schlimmer.

    ##Amphitheater gab es überall, wo römische Truppen standen. Also auch in Mitteleuropa, zum Beispiel in Österreich bei Carnuntum. Die Amphitheater waren also ein wesentliches Merkmal der römischen Gesellschaft.##
    Gut erkannt.
    Noch schlimmer wurde es, als erst die Christen einen wesentlichen Einfluss auf die Macht- und Geldverteilung im römischen Reich bekamen.
    In etwa ab dem 3. Jahrhundert nach ....
    So blutik wie die hatte vorher kaum einer unter seinen Glaubensbrüdern und gegen Fremde gewütet
    Nun Butter bei die Fische.
    Was lässt sich daraus ableiten?
    Mit Sicherheit nicht, was uns die Sieger – Geschichtsschreibung immer weiß machen will, dass es sich quasi um ein vordemokratisches, beinahe humanes Gebilde gehandelt hat.
    Es war tatsächlich eine höchst aggressive, ausmordende, blutrünstige, vom Militär dominierte, Gesellschaftsordnung.

    Irgendwie kommt mir das bekannt vor.
    Aber das ist ein anderes Thema.

    Dazu sei mir eine kleine Nachfrage gestattet.
    Das mit den baul. Mordanlagen in den vom Römischen Reich eroberten Gebieten ist korrekt.
    Nur, stellst du dir da nicht manchmal die Frage, die mich immer umtreibt:“Was hat eigentlich ein römischer Söldner am Teutoburger Wald zu suchen?“
    Ist der dorthin eingeladen worden?
    Haben sie, die Bewohner in den durchquerten Gebieten, die mordenden und brennenden römischen Horden auf den Weg dort hin mit Blumen überhäuft?
    Wohl kaum.

    ##Das Kolosseum ist nur deshalb so berühmt, weil es a) noch steht, b) sehr groß ist und c) in der antiken Literatur erwähnt wird). Auf diese Quellen stützt sich die BBC-Produktion. Andererseits sind bestimmte Schilderungen allerdings parteiisch.##
    Na gut, die christlichen Autoren haben es gerade nötig, sich über die ethnischen Säuberungen der anderen aufzuhalten.
    Deren Geschichte war lange Zeit ein nicht enden wollender Mordraubzug.
    Ihr Motto war jedes Mal:“Gott oder Jesus will es so!“
    Und auf ging es und alle Einwohner von Jerusalem, als sie es befreien wollten, wurden dermaßen hemmungslos ausgemordet, dass einem schon beim bloßen Lesen der einschlägigen Berichte kotzübel wird.
    Glücklicherweise gibt es jedoch noch Berichte aus dieser Zeit, die nicht so direkt von der Geschichtsschreibung des Siegers geprägt sind.
    Die jedoch rücken das Bild von dem heroischen Kampf, Mann gegen Mann, deutlich zurecht.
    Einfach das einmal so stehen gelassen, was ist das für ein staatliches Konstrukt, welches zur Belustigung seinen Einwohner das Niedermetzeln von Menschen fördert und erzwingt und dafür auch noch riesige Bauten errichtet?
    Als was würdest du persönlich einen solchen Staat bezeichnen?

    ##vor allem durch inschriftliche Quellen – Beweise, dass Gladiatoren durch Erfolg im Kampf die Freiheit und Wohlstand gewinnen konnten. Man muss also bei den Vorgängern in den Amphitheatern unterscheiden zwischen "Massenabschlachtungen" wehrloser Menschen (oft in Verbindung mit Tieren) und den eher typischen Gladiatorenkämpfen, für die Profis in einer langen und teueren Ausbildung herangezüchtet wurden.##
    Eine schön, hässliche Gemengelage die du mir anbietest.
    Den moralischen und aussagelogischen Salto Mortale, die Verknüpfung einer Mordanlage mit einer fragwürdigen Sportveranstaltung, dieses noch einmal zu überdenken, würde ich gerne dir überlassen.

    ##Um diesen, letzteren Aspekt geht es in dem Film, nicht um Christenverfolgungen oder andere Verbrechen, die natürlich auch stattfanden. Der BBC-Film setzt sich mit solchen Feinheiten differenziert auseinander und vermeidet hier ganz bewusst Verallgemeinerungen und die Reproduktion von Klischees.##
    Womit setzt der sich auseinander?
    Mit den ethnischen Säuberungen der Römer, dem gezielten Heranzüchten von zum Tode bestimmtem Menschen aus aller Herren Länder?
    Wohl kaum.

    Es gab mal einen der liebte seinen deutschen Schäferhund über alles.
    Reicht das aus, um seine sonstigen Untaten zu kompensieren?
    Wohl kaum.

    Einer, zwei oder meinetwegen dreißig der armen Würstchen in der Arena wurden als sog. freie Bürger freigelassen.
    Na und.
    Merkst du nicht schon beim Schreiben das Perfide bei diesem Prozess?
    Und mir solches auch noch als sog. Dokumentation anzubieten, läst mich schaudern.

    ##Es handelt sich hier eben nicht um einen Hollywoodfilm (der aus England kommt), sondern um eine hochwertige Produktion, die sich deutlich von primitiven Sandalenfilmen à la Gladiator unterscheidet.##
    Nun gut das mit dem Hollywood war auch nicht so gemeint, wie man es herauslesen konnte.
    Was ich eigentlich meinte ist:
    Hollywood ist überall, ob in England, in Deutschland oder auf Borneo.
    Damit meine ich die Machart und den Ablauf der gezeigten Geschichte selbst.
    Immer das gleiche Muster.
    Als Massenartikel gähnend langweilig.
    Als englische Dokumentation etwas subtiler.

    ##Man kann an jedem Film etwas aussetzen, aber von der Zielsetzung her ist diese BBC-Produktion gelungen. Sie schildert für ein breites Publikum die Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein eines Gladiators, über den die römischen Besitzer ganz nach deren Gutdünken entscheiden. Und sie bringt klar zum Ausdruck, wie gefährlich sein Leben war.##
    Verzeihe mit bitte meinen Ironie.
    Autofahren und Skifahren sind auch gefährliche Tätigkeiten.
    Und nun?

    Schönen Tag
    nual
     
  4. Camel_Man_XXL

    Camel_Man_XXL Byte

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    12
    Der Film auf der DVD ist nicht nur handwerklich gut gemacht, er ist auch inhaltlich völlig okay. Niemand, der sie sich angesehen hat, kommt auf die Idee, das Leben eines Gladiators zu verklären. Diese Produktion zeigt die Schattenseiten seines Lebens und Sterbens durchaus eindrucksvoll, da gibt es überhaupt nichts zu nörgeln. Dass das Gladiatiorendasein auch einige wenige Vorteile für die Betroffenen mit sich brachte, wird aber eben auch gezeigt und das ist für eine ausgewogene Darstellung unverzichtbar.
    Abgesehen davon ist dieser Film sehr unterhaltsam und spannend. Das tut dem Informationsgehalt aber keinen Abbruch, sondern bringt die zumeist ja eher trocken präsentierte Materie "Geschichte" (ich denke da nur an meinen Geschichtsunterricht, brrr) auch solchen Menschen nahe, die sich eine hochwissenschaftliche Dokumentation ohne jeglichen Unterhaltungswert nie anschauen würden. Schon allein deshalb ist das eine gelungene Produktion.
     
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