Gericht bestätigt Wirksamkeit der GPL

Dieses Thema im Forum "Ihre Meinung zu Artikeln auf pcwelt.de" wurde erstellt von RaBerti1, 26. Juli 2004.

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  1. RaBerti1

    RaBerti1 Viertel Gigabyte

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    Na denn:

    Auf daß sich das i.S. SCO gegen den Rest der Welt auch endlich als allgemeine Meinung durchsetzen möge!

    MfG Raberti
     
  2. Zeus

    Zeus Halbes Megabyte

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    Jura hat nichts mit "Meinung" zu tun...
     
  3. Holzappel

    Holzappel Byte

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    25
    Tach auch !

    @Zeus:

    Da möchte ich Dir widersprechen.
    Jura, ( also das Gesetzeswerk einer Gesellschaft - wenn wir uns auf diese Formulierung verständigen können), wird auch durch "Meinungen" geformt.
    So wie sich die Meinung einer Gesellschaft über ein bestimmtes Thema ändert,
    ändert sich auch die Einstellung der gesetzgebenden Gewalt.
    Allerdings laufen diese Vorgänge für uns im "Computerzeitalter" zu langsam ab.
    Ein Blick in die Geschichte genügt aber.

    Auch kann eine gewisse Öffentlichkeit und das Diskutieren von Meinungen in eben Dieser, die Gesetzgeber und die ausführenden Organe beeinflussen.

    Stichwort: "Florida-Rolf"

    Holzappel
     
  4. knob-creek

    knob-creek Byte

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    26
    @raberti:

    Leider ist der Fall bei SCO vs. Linux genau andersherum: SCO
    beansprucht die Rechte an Teilen der Linux-Quellen für sich und
    erklärt deren Weitergabe unter der GPL für unrechtmäßig -- was sie
    aber andererseits nicht daran hindert, ihrerseits quelloffene
    Programme, an denen sie definitiv keine Rechte haben (Mozilla, Samba,
    ...), zusammen mit ihrem "Open Server" auszuliefern.

    Grüße,
     
  5. RaBerti1

    RaBerti1 Viertel Gigabyte

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    Nein, das war schon richtigherum gemeint:
    SCO hatte doch -berichtigt mich bitte, wenns nicht stimmt- zeitweise die Sourcen für Linux unter der GPL zum Download bereitgestellt.
    Ich -und wohl noch 100% der Linux-User- werte das so, daß SCO sich dadurch der Rechte an den Sourcen begeben hat. Einmal GPL, immer GPL.

    Ansonsten:
    @Zeus:
    Was lernt der Jurist in erster Linie? Herausfinden, was die "herrschende Meinung" ist. Wie man sowas auszählt, weiß ich nicht, ist auch hier nicht Thema. Wie soll sonst ein Anwalt eine halbwegs verläßliche Prognose stellen, wie ein Rechtsstreit ausgehen wird? Er muß herausfinden, welche Meinung zu den relevanten Problemen "herrscht".

    Also gehts definitiv nur um Meinungen.

    MfG Raberti
     
  6. Zeus

    Zeus Halbes Megabyte

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    568
    Moinsen!

    Das Thema ist zu pauschal. Gemeint war die Jurisdiktion, also die Anwendung von Normen vor Gericht. In der Rechtsphilosophie fällt der hier skizzierte Komplex dem "juristischen Vorverständnis" zu. Grobgesagt geht es dabei um die Rechtsfindung, die entsprechend unterschiedlicher Meinungen (sic!) eben nicht im idealitären Sinne von Montesquie als "Mund des Gesetzes" abläuft - in der Neuzeit und gerade nach Radbruch ging man sogar von dieser - verfehlten, weil totalitären - Einstellung als Maxime ab.

    Was ich aufspießen wollte, war Rabertis These: Es ist gerade nicht so, daß ein paar Richter auf einen Schoppen mit ein paar Freaks aus der OS-Szene zusammenkommen und dann nach fleißigem Sackkraulen per Handshake mal ebenso kraft neugewonnener Freundschaft die Ansicht entwickelt haben, den Kollegas will man mal eben so die GPL als Vertragswert einbauen. Das ist ein hochgewaltiger Trugschluß.

    Jura iSv Jurisdiktion ist an Recht und Gesetz gebunden (vgl. Art. 20, 97 ff. GG). Wer ein Urteil als Meinung hinstellt, liegt falsch, fälscher - ganz daneben. Auf Golem.de gibt es einen Link zum Urteilstext. Lesen lohnt sich - auch für Dich als Laien.
     
  7. brzl

    brzl Halbes Megabyte

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    730
    An Zeus

    Im hier vorliegenden Fall ist die Sachlage verhältnismässig klar geregelt. Da kann man Zeus mit seiner "rechtsidealistischen Auffassung" noch zustimmen. Die Gesetze haben diesen Fall zumindest keine bis jetzt erkennbaren Lücken und es gibt keinen Platz für "Meinungen". In diesem Speziealfall hat Zeus durchaus recht.

    Die apodiktische Wegweisung der Meinungen aus der Rechtssprechung ist allerdings grotesk übertrieben. Sollte sie zutreffen, müssten alle Gesetze mit Hilfe der mathematischen Logik formuliert werden. Vor der Debatte über ein Gesetz müsste der der mathematische Beweis der Vollständigkeit und Widerspruchsfreiheit in sich und mit allen anderen Gesetzen erbracht werden. Ein vollständiges Gesetz geriete verhältnismässig umfangreich :D, falls es überhaupt möglich wäre. (Herzliche Grüsse an Herrn Gödel :) ) Wenn ein Gesetz aber nicht vollständig ist, dann müssen die Richter im Streitfall eine Lücke so ausfüllen, dass möglichst keine Gesetze verletzt weden und dass "dem Willen des Gesetzgebers" möglichst getreu nachgelebt wird. Wie das konkret zu geschehen hat, darüber kann man oft unterschiedlicher Meinung sein.

    Oft muss man zwischen unterschiedlichen Rechtsgütern abwägen. Leider steht dabei der Rechtssprechung keine geeichte Waage zur Verfügung. Das Gericht muss sich vielmehr nach bestem Wissen und Gewissen eine Meinung bilden, wie die Rechtsgüter zu gewichten sind... Wie man das nennt ist egal, aber letztlich kommt man um die Meinung nicht herum.

    Ich weiss nicht wie das in Deutschland geregelt ist, aber z. B. am Schweizerischen Bundesgericht werden wichtige Fälle oft vor einem Richterkollegium entschieden. Nicht alle Entscheide falllen einstimmig aus. Die Richter der Minderheit sind keine Trottel, die nichts verstehen. Sie haben die Gewichte anders gesetzt. Sie haben eine andere Meinung.
     
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