Gericht: Kaufangebot bei Ebay ist verbindlich

Dieses Thema im Forum "Ihre Meinung zu Artikeln auf pcwelt.de" wurde erstellt von cheff, 3. August 2005.

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  1. cheff

    cheff Megabyte

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    Richtig so. Ich hasse eh diese 1€-Startangebote. Die Verkäufer sollen gefälligst den Preis angeben, den sie mind. haben wollen und nicht immer bei 1€ anfangen. Wenn er mind. 7.000 € will, soll er auch da gefälligst den Preis ansetzen, basta.
     
  2. Winnie The Pooh

    Winnie The Pooh Viertel Gigabyte

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    Das finde ich nicht. Schließlich sollte die Auktion doch noch eine Woche laufen, der zum Zeitpunkt des Auktionsabbruchs Höchstbietende hätte doch auch noch überboten werden können? Erfahrungsgemäß steigt der Verkaufspreis vor allem in den letzten Stunden und Minuten der Auktion noch einmal deutlich an.

    Warum der Verkäufer den Artikel zurückgezogen hat, kann man nur vermuten. Fakt ist, daß es nach den AGB von eBay durchaus möglich ist, einen Artikel zurückzuziehen. Die Rücknahme eines Gebotes ist ja auch erlaubt.
     
  3. Bo Derek

    Bo Derek Byte

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    Schon. Nur werden vielfach Gebote aus vorgeschobenen Gründen aus der Auktion entfernt. Man kann als Verkäufer nach Lust und Laune behaupten, das Objekt sei z.B. zerstört worden. Ich finde, ein Angebot sollte ebenso verbindlich sein, wie die Kaufzusage durch ein Gebot.

    Schlimmer finde ich allerdings Leute, die auf eigene Angebote bieten (lassen), um den Preis in die Höhe zu treiben. Aber das ist ein anderes Thema...
     
  4. rolley

    rolley Kbyte

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  5. Winnie The Pooh

    Winnie The Pooh Viertel Gigabyte

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    Gesetzt den Fall, der eingestellte Artikel kann (beispielsweise durch einen Unfall) nicht so verkauft werden, wie er angeboten wurde - was soll denn der Verkäufer machen, außer das Angebot zurückzuziehen? :confused:
     
  6. rolley

    rolley Kbyte

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    . . . gemeint sind wohl NICHT die Fälle sog. "Höherer Gewalt" . . .
     
  7. Nordstjernen

    Nordstjernen Byte

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    "Ich finde, ein Angebot sollte ebenso verbindlich sein, wie die Kaufzusage durch ein Gebot."

    Das ist genau das, was das OLG Oldenburg entschieden, rsp. dem "Emsländer" ins Stammbuch geschrieben hat. Dass Ebay die Rücknahme zulässt, betrifft nur das Verhältnis zwischen dem Mitglied und Ebay. Das hindert nicht, dass der Anbieter sich bei Rücknahme des Angebots gegenüber dem aktuell höchsten Bieter schadenersatzpflichtig macht.
    Im übrigen verstehe ich aber nicht, warum der "Emsländer" beim Stand von € 4.550 eine ganze Woche vor Ende das Angebot zurückgenommen hat. Bei dem Stand hatte er doch wirklich sehr gute Chancen, deutlich über den Verkehrswert zu kommen...
     
  8. Hoshy

    Hoshy Kbyte

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    Möglicherweise hat er den Wagen ja schon ausserhalb von ebay für gutes Geld verkauft?

    Sehr gut finde ich, dass das Gericht eindeutig klar gestellt hat, dass allein schon das Anbieten eines Artikels in ebay ein verbindliches (!) Kaufangebot des Verkäufers darstellt. Unter diesem Gesichtspunkt kommt der Kaufvertrag also schon dann zu Stande, wenn der erste potentielle Käufer dieses Angebot durch Abgabe eines Gebotes annimmt. Ab dem Zeitpunkt gelten also die normalen Regeln des Vertragsrechts. Inweiweit man sein Recht im Einzelfall durchsetzen kann bzw. will, muss jeder selber wissen.
     
  9. derdementor2

    derdementor2 Byte

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    Das Problem was ich noch sehe bei diesen ganzen Sachen ist, das Verkäufer, die nun ein Angebot nicht mehr beenden "dürfen" oder wollen, sich dann im Falle eines nichtverkaufen wollens einen 2. Benutzer bei eBay schaffen oder suchen, der dann die Auktion einfach überbietet und gewinnt. Dann kommt auch kein Kaufvertrag zustande und man konnte mal wieder ein Gerichtsurteil umgehen.

    Diese Taktik, das manche Leute bei eBay puschen hat leider in letzter Zeit sehr zugenommen.


    Was die Bemerkung einer meiner Vorredner angeht - "Soll er die Ware doch gleich zum gewünschten Mindestpreis reinsetzen"
    -
    da kann ich micht nicht anschließen.

    eBay ist ein Auktionshaus. Auktionen beginnen zwangsläufig bei einem niedrigen gebot. Das macht die Auktionen interessant. Das der Verkäufer eines Autos dieses nicht für einen 1 EUR loswerden will ist klar, aber wenn mehrere Bieter auf der Seite mitsteigern, puschen diese den Preis im Endeffekt evt. höher als wenn man nur einen Festpreis und evt. dann einen Käufer hat.

    Ausserdem könnte man dann sein Auto oder andere Sachen ja auch gleich im Laden kaufen und müsste nicht versteigern.

    Mir selbst ist es auch mal passiert, dass ich ein Angebot drin hatte für ein Handy. Das habe ich mit 1 EUR eingestellt und es ist nach 9 von 10 Tagen mit nur 1 EUR drin gewesen. Dann habe ich mir auch gedacht... Hmmm... Dann könnt ich es behalten, bevor ich es verschenke. Und so habe ich die Auktion aufgelöst. Sollte ich das nun nicht mehr können, würde ich auch jemanden bitten das Angebot zu übersteigern...

    Das ist zwar nicht fair - Aber warum sollte man sich selbst einen Nachteil verschaffen ? Und schließlich ist man sich selbst bekanntlich am nächsten, gell ? :jump:
     
  10. Winnie The Pooh

    Winnie The Pooh Viertel Gigabyte

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    Genau das verstehe ich auch nicht.
     
  11. Necromanca

    Necromanca Megabyte

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    Das sehe ich auch so, ich habe mal die Versteigerung eines älteren Vespa Rollers verfolgt. Er lag lange Zeit unter 200 Euro, obwohl er sicher noch um die 500 wert war. Die Auktion zog erst in den letzten 5 Minuten an mit großen Sprüngen trieb es den Preis dann über 300, 400 Euro und in den letzten 10 Sekunden auf 508,50 Euro, genau das was der Verkäufer erwartet hatte. Ich hatte den Roller im Original angesehen und dabei hat er mir dieses Ergebnis schon vorhergesagt.

    Ich glaube jetzt nicht unbedigt, daß jede Auktion den Marktwert so trifft, aber man verkauft auch nicht bei ebay, wenn man meint da genau die 7000 Euro zu bekommen, die das Ding wert ist. Mein Schwager hat bei ebay einen Jahreswagen Peugeot 206 CC (Cabrio) Jahreswagen gekauft und dabei eine Menge Geld gegenüber einem Fahrzeug vom Händler gespart, das ist so wie das sehe auch der Normalfall.

    Das Urteil halte ich trotzdem für falsch, der Verkäufer muß jederzeit das Recht haben das Auktionsobjekt zurückzunehmen, ohne dafür einen zu diesem Zeitpunkt einem potenziellen Höchstbieter schadensersatzpflichtig zu werden. So lange nichts mit " eins zwei drei meins " zugeschlagen wurde, gibt es keinen Käufer!

    Was wäre denn gewesen, wenn der klagende Bieter den Zuschlag nicht bei 4550 Euro bekommen hätte (extrem wahrscheinlich)? Er hätte entweder viele 100 Euro mehr zahlen müssen oder in die Röhre geschaut. Das ist eine juristische Stilblüte, die hoffentlich von höherer Instanz aufgehoben wird. :eek:
     
  12. holger-42

    holger-42 Kbyte

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    Ich wüsste mal gerne, wie es mit der Zurechnungsfähigkeit aussieht.

    Ich habe noch immer Angst vor dem Schock, meinen Rechner Samstags morgens anzumachen und ebay-mails zu bekommen, dass ich mir gestern im Suff 5 Audi TTs gekauft habe :rolleyes:
     
  13. Winnie The Pooh

    Winnie The Pooh Viertel Gigabyte

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    Das sehe ich ganz genauso - schließlich hätte der Kläger doch damit rechnen müssen, noch überboten zu werden.

    Ich würde das Urteil für gerecht halten, wenn der Verkäufer die Auktion nicht abgebrochen hätte, sondern die Auktion mit dem Gebot von 4550 Euro regulär beendet worden wäre. Aber doch nicht so!

    Das ist doch was völlig anderes - hier Wären die Auktionen regulär beendet worden (entweder durch SofortKauf oder Ablauf der Frist). Und daß du stockedun warst, würde dir bei der Anfechtung der Verträge auch nicht unbedingt weiterhelfen. Die Verkäufer könnten dich also durchaus auf Erfüllung der Verträge verklagen.
     
  14. dirk22

    dirk22 Byte

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    Falsch! Mindestgebot != Festpreis. Was er beim erstellen eines 1€-Angebots an Auktionskosten spart, das muss er beim Risiko eben zuzahlen.
    Schuld eigen, siehe oben.

    Hier werden immer Marktgesetze zitiert, aber was ist denn bitte näher an Angebot/Nachfrage/Preisbildung als eBay? Wenn die Käufer nicht bereit sind, mehr zu zahlen, dann muss der Verkäufer das so akzeptieren oder sich von vornherein eine andere Plattform suchen.

    Meine Meinung.
     
  15. holger-42

    holger-42 Kbyte

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    ...außer ich renne sofort zur Polizie und lasse meinen Restalkohol messen :rolleyes:
    War ja auch scherzhaft gemeint. :)
     
  16. Hoshy

    Hoshy Kbyte

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    Wieso denn eigentlich? Wenn wir mal ebay weglassen: Angenommen ich biete Dir für 5000.- mein Auto zum Kauf an, dann ist das ein rechtsverbindliches Kaufangebot. Da kann ich nicht später sagen: "Ach nee, lass mal, war nur'n Scherz". Genausowenig wie Du nicht erst sagen kannst "OK, nehm' ich" und dann später den Schwanz einziehst, weil Dir das doch zuviel Kohle ist. Kaufverträge kann man nicht einfach canceln, und die berühmte 14-Tage Frist, von der manche Leute meinen, dass sie innerhalb dieser von jedem Vertrag zurücktreten können, die gibt es definitiv nicht!
    Und sieh es mal so: Wenn jeder Verkäufer sich jederzeit überlegen kann, ob oder ob nicht und bei welchem Preis oder auch nicht er seine Sachen wirklich abgibt, dann kauft doch keiner mehr was bei ebay!

    "Hätte", "Wenn" und "Aber" haben juristisch keine Bedeutung. Genausogut hätte niemand den Wagen mehr interessant finden können, die ebay Server ausfallen können und und und...

    Eine weitere Instanz wird es höchstwahrschlich nicht mehr geben, da es ein Zivilrechtsprozess war und schon vor dem OLG verhandelt wurde.

    Übrigens bedeutet das Urteil ja nicht, dass jetzt jeder immer zwingend den eingestellten Kram verkaufen muss. Bei Irrtum - also z. B. Neuwagen per Sofortkauf für 2.000 statt 20.000 oder höherer Gewalt (was auch immer darunter fällt) kann der Vertrag annuliert bzw. angefochten werden.
    Der Verkäufer hatte argumentiert, der Wagen verliere Öl am Getriebe und er wolle ihn daher nicht mehr verkaufen, da er defekt sei. Das reichte dem Gericht aber nicht als Begründung, da man diesen Schaden ja hätte reparieren lassen können.
     
  17. miramanee

    miramanee Kbyte

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    Das Urteil ist anfechtbar. In einer früheren Entscheidung wurde durch einen Rechtsentscheid festgelegt, dass für ebay das Fernabsatzgesetz zu gelten hat. Damit ist es kein echtes Auktionshaus, sondern kommt einem Katalogversand gleich.

    Wenn ich heute einen Artikel einstelle und dieser kaputt geht oder geklaut wird, kann nicht einfach ein x-beliebiger Möchtegern von mir die Lieferung verlangen oder gar irgendeinen Geldbetrag. Ich würde auf jeden Fall zukünftig Auktionen zurückziehen, weil sich die Eigenschaften entscheidend geändert haben. Wenn dann doch jemand den Artikel will, kann er ihn gerne haben. Wundern darf er sich aber nicht.
     
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