Gibt es gute und schlechte Monopole?

Dieses Thema im Forum "Ihre Meinung zu Artikeln auf pcwelt.de" wurde erstellt von Phil o'Soph, 27. November 2004.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Phil o'Soph

    Phil o'Soph Kbyte

    Registriert seit:
    31. Oktober 2004
    Beiträge:
    335
    Google vs. Microsoft – gibt es gute und schlechte Monopole?

    Sicher – Microsoft ist ein Monopolist, der versucht seine Geschäftstätigkeiten auszubauen. Ja, Microsoft hat nicht immer sauber gearbeitet, die Geschäftsmethoden mindestens Diskussionswürdig. Das ist unbestritten. Soll man deswegen gegen Microsoft wettern und MSN Websearch meiden? Ich meine nein.

    In der EDV ist die Gefahr der Monopolbildung sehr stark

    Das ist nicht erst seit Microsoft so. Früher galt IBM als der Gigant, den viele gerne per Gesetz entmachtet gesehen hätten. Dann kam Microsoft. Im Bereich der Suchmaschinen war lange Zeit Altavista unbestrittener Marktführer, heute Google. Morgen vielleicht MSN, übermorgen stürzen sich vielleicht alle auf eine Suchmaschine, die es heute noch gar nicht gibt. Oder MSN kauft Google. Wie auch immer. Jedenfalls gab es immer monopolartige Marktführer und wird es auch immer geben. Aus einem guten Grund. Die Kunden wollen "das Beste" – zumindest das, was sie dafür halten. Altavista hatte den Ruf, die beste Suchmaschine zu sein. Dann kam Google als Studentenprojekt und lief Altavista den Rang ab. Mittlerweile ist Google ein "Quasi-Monopolist", die neuesten Entwicklungen sind nicht unumstritten. Im Bereich Software wollten die Anwender Dokumente miteinander austauschen. Es gab kein einheitliches Dokumentenformat. Das war die Gunst der Stunde, die Microsoft nutzte um MS Office zu etablieren. Zuvor gab es Wordperfect für die Textverarbeitung und Borland führte den Markt für Tabellenkalkulationen mit Quattro Pro an. Microsoft und Lotus boten beide integrierte Lösungen für verschiedene Bereiche, insbesondere Textverarbeitung und Tabellenkalkulation, aus einer Hand an. Der Kunde möchte es einfach haben, abgestimmt. Microsoft setzte sich durch. Hätte sich Lotus durchgesetzt, würden heute alle über Lotus und sein monopolistisches Gehabe jammern. Vielleicht werden die Karten neu gemischt, wenn OASIS als ISO zertifiziertes Dateiformat eingführt wird und ein Programmunabhängiger Dokumentenaustausch theoretisch möglich ist. Ich denke nicht. Es wird Theorie bleiben. So werden auch zukünftig Quasi-Monopole kommen und gehen.

    Google oder MSN?

    Google hat seine Unschuld in der jüngeren Vergangenheit verloren. Es zeigt sich, dass die Google-Macher keine Idealisten sind sondern ganz normale Geschäftsleute. Wie Bill Gates, wie Steve Jobs. Microsoft will den Suchmaschinenmarkt neu aufrollen. Das geht nur durch bessere Suchergebnisse und neue Möglichkeiten, die die Konkurrenz nicht hat. Wenn zukünftig Abfragen in natürlicher Sprache erfolgen können, dann ist das eine gute Entwicklung. Andere werden kommen und ebenfalls Innovationen einführen, um ihrerseits die Marktführerschaft anstreben. Und gewinnen. Und wieder abgeben.

    Das Internet ist ein Musterbeispiel für freie Marktwirtschaft

    Nirgends können sich die Regeln der freien Marktwirtschaft so beobachten, wie im Internet. Mit allen Vor- und Nachteilen. Newcomer können durch Innovationen alte Platzhirsche von der Marktführerschaft verdrängen. Unternehmen streben Monopole an, bekommen sie, verlieren sie. Marktdominante Unternehmen fördern den Unmut der Nutzer. Findige Nutzer entwickeln Alternativen und stoßen den König vom Thron. Sie werden selber Könige, marktdominante Unternehmen. Derzeit zu sehen bei Mozilla Firefox. Jetzt bei den Suchmaschinen?

    Phil o'Soph

    EDIT:
    Softwarepatente sind der Versuch der Software-Konzerne, dieselben Blockademöglichkeiten der realen Welt in die virtuelle Welt zu transferieren. Die These "Internet = Freie Marktwirtschaft" hat natürlich nur solange Bestand, wie es keine Einschränkungen gibt. Werden Softwarepatente Wirklichkeit, ist der freie Markt im Netz dahin – so wie in der realen Welt
     
Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Diese Seite empfehlen