Marktwirtschaft kontra Wikipedia & Co. - Wie geht es weiter?

Dieses Thema im Forum "Ihre Meinung zu Artikeln auf pcwelt.de" wurde erstellt von Gyer, 20. Dezember 2005.

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  1. Gyer

    Gyer Kbyte

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    Ich möchte das gar nicht erleben, dass es mal keine Lexika in gedruckter Form mehr geben wird. AUf die schnelle mal im Internet was suchen, ist OK. Aber ich will nicht bei jeder Gelegenheit den Rechenknecht anwerfen, weil ich noch etwas Privat- bzw. Familienleben haben will. Und in diesem Rahmen finde ich es viel schöner, ein Buch zum Nachschlagen zur Hand zu nehmen.
     
  2. avatar-1

    avatar-1 ROM

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    Solch ein Thema kann man nicht 'mal eben' in einem kurzen Artikel aufgreifen. Hier hilft höchstens eine wissenschaftliche Studie um Klarheit zu erlangen. Aber auch das dürfte aufgrund der vielen Faktoren zum Scheitern verurteilt sein.

    Ich möchte jedenfalls nicht versuchen, ausrechnen zu müssen, wieviele Arbeitsplätze und vor allem wieviel Umsatz nicht zustande gekommen wäre, wenn es nicht das Internet geben würde, dessen Rückgrat und Grundkonzeption komplett auf freier Software aufsetzt.

    Tschuess, avatar.
     
  3. Thor Branke

    Thor Branke CD-R 80

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    Moin,

    das angeführte Beispiel mit den Fotos ist nicht übel. Ich habe fast 12 Jahre in einem Fotolabor gearbeitet, in dem es die Verantwortlichen schlicht verpennt haben, die Zeichen der Zeit zu erkennen.

    Das Ende von ~160 Arbeitsplätzen wäre so nicht nötig gewesen, hätte man frühzeitig das Thema "Digitale Fotografie" ins Sortiment aufgenommen und sich eine vielschichtigere, multistrukturelle Nische gesucht.

    Mit den freien Internetangeboten ist es ähnlich: kommerziell und gratis müssen sich nicht ausschließen. Wer bei den kommerziellen Anbietern die Chancen erkennt, die bei Gratisangeboten entstehen, aber nicht von deren Anbietern ergriffen werden können (mangelnde Infrastruktur), könnte sich ein neues, begehrtes Segment aufbauen.

    Gratisangebote besitzen oft genug die Innovationen, die sich die kommerziellen Anbieter nicht zu testen trauen (IE --- FX). Gelingt den Kostenlos-Anbietern der Testlauf, werden die "Geldhaie" das Thema sehr schnell aufgreifen und für sich nutzbar machen.

    Wie immer im Leben: die Zusammenhänge sind viel komplexer, als sie im ersten Moment erscheinen. Entscheidend ist, keine Ressourcen im Kampf gegeneinander zu verschwenden, wenn diese Kämpfe nicht existentiellen Notwendigkeiten entspringen.

    Wie beim Beton - es kommt halt darauf an, was man damit macht. Also stetig über den Tellerrand schauen und den 1000-yards-Blick trainieren... :D

    Thor
     
  4. RaBerti1

    RaBerti1 Viertel Gigabyte

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    ... und hämmert ziemlich vehement dagegen. (Jedenfalls hab ich da so eine Stelle im Hinterkopf, daß da eine "Bibel" herumlag, eine immer wieder auf neusten Stand zu bringende Loseblattsammlung, in der die zugelassenen Gedanken -oder waren es Wörter- zu finden waren, alles andere war folglich strafbar. Oder bringe ich da was durcheinander? Korrigiert mich bitte ggf.; meine Bekanntschaft mit 1984 muß schon ein paar Jahrzehnte her sein...)

    Schließlich ist es einfacher, mal eben eine Datei auf einer Internetseite abzuändern, als eine komplette Auflage eines Lexikons wieder einzusammeln und die Neuauflage wieder zu verteilen, wenns denn neue Erkenntnisse gibt (oder vielleicht auch irgendwas politisch nicht -mehr- opportun ist).

    Nein, nein, etwas Gedrucktes muß schon bleiben, und wenn es von Mönchen bewacht wird... (Schönen Gruß an Hochwürden William von Baskerville) So weit, so schön.

    Allerdings hat es doch eine Technologie-Folgen-Abschätzung überhaupt nicht gegeben. Was es zB bei "Einführung" des Computers gegeben hat, das waren ganz am Anfang hochgesteckte Erwartungen, lahmes Gerät, das Versprechen "Beim nächsten DOS wird alles besser" (später "Beim nächsten Windows wird alles besser"), und schon von Anbeginn die Möglichkeit für schlaue Köpfe, sich Programme selbst zu stricken, und die an den Köpfen festgewachsenen Leute, die sich die Dinger gekauft haben, egal, wie grottenschlecht das Equipment gemessen an heutiger Technik auch war. Was alles an Arbeitsplätzen durch "den Computer" weggefallen ist, was an anderer Stelle an Arbeitsplätzen entstand, und ob "das Leben" dadurch wirklich besser geworden ist, das wissen die Götter. Fest steht: Hätte man sich selbst als Insel abgeschottet gegen "den Computer", wären wir inzwischen auf dieser Insel wieder im Mittelalter gelandet.

    Aber überall dort, wo ein Unternehmen nur Unzulängliches bot, gab es eben auch jemanden, der das alles besser machte, wenn auch immer noch nicht perfekt. Alternative Software, alternative Betriebssysteme, alternative Hardware...

    Mit der Ersetzung bedruckten Papiers durch simple Bitsammlungen auf irgendeinem nicht ohne Maschine lesbaren Datenträger wird es möglicherweise und hoffentlich anders ablaufen: So ganz ohne Papier wird es nicht gehen. Auch nicht ohne leibhaftige Lexika. Glauben muß man deswegen immer noch nicht alles, was da so drinsteht. Aber die Mücke, die mich stört, schlag ich lieber mit einer Zeitung tot als mit einem TFT-Display.

    MfG Raberti
     
  5. drysler

    drysler Kbyte

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    Weiß jemand, ob das wort "Linkfarm" im Brockhaus steht?

    .....;)
     
  6. first2

    first2 Kbyte

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    Grenzwertbetrachtung: Angenommen, ich würde ein Kästchen (Endzustand der Automatisation) erfinden, das alle materiellen Wünsche wie Nahrung und technische Geräte etc. innerhalb eines globalvertäglichen Rahmens auf Knopfdruck kostenlos herbeizaubern würde, dann würden zwar alle in der Produktion dieser Güter arbeitslos und bekämen kein Geld mehr, das wäre aber dann auch nicht weiter schlimm, denn Geld ist ja nichts weiteres als gedrucktes Versprechen, dafür etwas zu bekommen, und dies jedoch würde im wesentlichen durch mein Kästchen erledigt.

    Man könnte aber auch sagen, da Geld auch nichts weiteres ist, als der papiermäßige Gegenwert aller vorhandenen nötigen/wertvollen Dinge, könnte es wegen meinem Kästchen auch beliebig poduziert werden, ohne Auswirkungen, da ja die Dinge, deren Wert es symbolisiert, durch mein Kästchen gedeckt ist.

    Oder, - wenn jemand freie Software 1000 Usern schenkt, müsste der entsprechende geldliche Gegenwert sofort gedruckt werden und der Bundesbank zum Schuldenabbau zur Verfügung gestellt werden, denn es hat eine entsprechende Wertschöpfung stattgefunden.

    MfG Dieter
     
  7. Lenny K.

    Lenny K. Byte

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    105
    "Möglich ist beispielsweise, dass mittelfristig klassische Lexika wie der Brockhaus oder die Encyclopaedia Britannica vom Markt verschwinden, da niemand mehr ein teures Lexikon kaufen wird, wenn es äquivalente Infos im Netz kostenlos gibt," heißt es im Artikel.

    Wenn die klassischen Lexika verschwinden würden, wo sollten dann die Wkipedia-Autoren ihr Wissen hernehmen? Nur in wenigen Fällen beruhen die enzyklopädischen Artikel auf eigener Forschung. Sie werden in der Regel natürlich nicht geklaut, sondern recherchiert. Das ist nichst anderes als das Neuaufbereiten bereits vorliegender und i.d.R. verfizierter Informationen. Es ist eine sekundäre informationsverarbeitende Tätigkeit.

    Wikipedia ohne die echten Enzyklopädien - das wäre ein Klon ohne Original. Es würde nicht konstruktiv funktionieren.

    Genug von der Wiki-Hype! Ich feiere Weihnachten mit der Britannica und Denis Diderot!
     
  8. AstroCat

    AstroCat Byte

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    Endlich wird das Thema kommerzielle Software contra freie Software in einer wie ich finde betont defensiven Schreibe aufgenommen. Zudem habe ich auch langsam das Gefühl ein "bescheuerter Depp" zu sein, sobald ich bereit bin eine SW-Anwendung/Information kostenpflichtig zu beschaffen. Auf der anderen Seite ist die "Geiz-ist-Geil"-Mentalität spätestens dann ganz schnell zu Ende, wenn es den Befürwortern an die eigene (Einnahme-)Geldbörse geht. Wenn zum Beispiel plötzlich auch der Arbeitgeber seinerseits "Geiz ist geil" sagt und Arbeitsplätze in Billiglohnländer auslagert oder der Staat den Rentnern weitere Nullrunden aufdiktiert. Beispiele hierzu liefern uns die Medien derzeit leider mehr als genug...

    Kurzum: der Artikel ist ein Pflichttext für alle Befürworter der "kostenlos"-Gesellschaft die am liebsten Microsoft-Google-AOL-Brockhaus & Co. gerne von diesem Planeten verdammt wissen möchten.

    An "avatar-1": Sorry, aber bitte eben keine wissenschaftliche Abhandlungen über etwas was auch bestens ohne Zahlen auskommt! Für mich ware das etwa so, als wenn man einen Erwachsenen und ein Kleinkind nebeneinander stellt und einen Größenunterschied erst dann erkennt/glaubt, wenn die beiden Personen Schilder zu ihren Größeangaben um den Hals tragen.
     
  9. jkarld

    jkarld Byte

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    läst sich der Beitrag zusammenfassen Die Aneinanderreihung platter Lebensweisheiten etwa derarart: "Alles ist frei" .." käme nichts erstrebenswertes zutage." ließe sich leicht auf diesen oberflächliche Beitrag anwenden!
    Weltweit ist z.Bsp. der Segen ehrenamtlicher Tätigkeit etabliert. Manchmal kostet dieses Engagement auch etwas. Wird aber gerne von einer Mehrheit bezahlt, weil es von diese Mehrheit als sinnvoll angesehen wird.Selbst Karnevalvereine machen sich das bürgerliche Engagement zu eigen und bieten Leistungen von hohen Niveau von Bürgern für Bürger ohne das hier einer gleich auf die Idee käme, das die Markwirtschaft gleich zusammen brechen könne oder gar nach Symbiose mit der Marktwirschaft schreien würde.
    Bei allem für und wider zum thema "freies wissen von allen, für alle" sollte sich doch allmählich herum gesprochen haben, dass sich unser aller Wissen im Umfang und Qualität extrem schnell vermehrt. Das Internet ist vermutlich eines der geeignetesten Medien dieses wertvolle manchmal auch gefährliche Wissen der Menscheit verfügbar und nutzbar zu machen. Auch bezweifel ich, dass Verlage allein, diese Wissensexplosion in seiner Tiefe dauerhaft bezahlen, verwerten und bereitstellen können.
    Wenn man jedoch den Marktgesetzen folgen möchte, wird das erworbene Wissen zur Ware. Inhalt und Umfang dieses Wissens wird stark begrenzt über Angebot und Nachfrage.Zudem werden über Informationspolitiken und Patentgesetze den Nutzen von Wissen weiter reglementiert. Daher wird jeder Wissensarbeiter zum Dienstleister und nutzt nun nicht nur Wissen als "Ware", sondern er stellt damit auch eine neue "Ware" her, die er nur gegen Entgeld einer Zahlungskräftigen und Zahlungsfähigen Elitären Klientiel anbietet kann. Vor der Zeit der Aufklärung waren es die Mönche und Priester und Fürsten die über das Wissen als ein Herrschaftsinstrument verfügen. Wer verfügt Heute über Wissen und wem wird welches Wissen Morgen noch zugänglich sein?

    Ich möchte mich daher dafür ausprechen, das Wissen als ein freies und jederman zugängliches Gut zu verwende, da ich mir hiervon den größten Nutzen für die Menschheit verspreche. ehrenamtliches Engagement kann da meines erachtens nicht schaden..

    Anmerkung:Den Satz :"Denn das eine ohne das andere wird mutmaßlich kaum funktionieren" möchte ich dahingehend konkretisieren, dass jegliches monetäre Handeln sich nach den Gesetzen der herrschenden Wirtschaftsordnung gebunden ist und deshalb das eine ohne dem anderen in der jeweilig vorgegeben Ordnung niemals unabhängig voneinander Funktionieren wird.
     
  10. unimatrix_512

    unimatrix_512 Byte

    Registriert seit:
    5. Dezember 2003
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    59
    Ich will nur kurz anmerken, daß ich sehr überrascht bin, daß eine PC-Zeitung mal den "philosophischen" Aspekt des Ganzen anspricht. Respekt. Die PC-Welt bzw. ihre Redakteure heben sich für mich damit weit ab von anderen Blättern und zeigen, daß es mehr Themen als die x. Version von Norton AntiVirus gibt oder womit auch immer das Gehirn noch gewaschen werden soll.
     
  11. innosonic

    innosonic ROM

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    Beiträge:
    3
    Die Qualität wird in dieser tollen Forenwikicommunity in manchen Gebieten noch besser, in anderen bereits schlechter.

    Was bleiben wird ist das Wiki so wie es Foren und Gästebücher und Datenbanken gibt.

    Das Expertenwiki Digital Universe wird Wikiprawda wegfegen.
    Auf Wikipedia sind eh kaum noch normale Menschen und die schreiben immer mehr Schwachsinn pro Zeiteinheit, alles Inzucht.

    :google:

    http://www.wikiprawda.de

    ps: Ich nutze Wikipedia trotzdem oft. Tolles riesiges Forum, aber keine ernstzunehmende Konkurrenz für gute Lexikas.
     
  12. PC-WELT

    PC-WELT Redaktion

    Registriert seit:
    14. Februar 2001
    Beiträge:
    804
    Hallo,

    dieser Vergleich hinkt aber etwas, denn mir sind beispielsweise keine kommerziellen Karnevalsvereine bekannt. Und ehrenamtliche Tätigkeiten wie z.B. die "Münchener Tafel" und andere sind in jedem Fall erstrebens- und lobenswert und überaus wichtig. Diese Einrichtungen treten aber zumeist in keine Konkurrenz zu wirtschaftlichen Unternehmen.

    Wie bereits im Beitrag angemerkt, geht es nicht darum "freie Software" zu verteufeln, sondern darum, mal einen etwas anderen Blick auf die Angelegenheit zu werfen.
     
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