SAP-Gründer hat kein Verständnis für Streit um Betriebsrat

Dieses Thema im Forum "Ihre Meinung zu Artikeln auf pcwelt.de" wurde erstellt von 944er, 13. März 2006.

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  1. 944er

    944er Kbyte

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    Das ist doch ganz einfach.
    Wenn die Belegschaft keinen Betriebsrat will dann haben sich die Gewerkschaften rauszuhalten!
     
  2. tomsche

    tomsche Byte

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    Und in welchem Land ist das so?
     
  3. wpasternak

    wpasternak Kbyte

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    Ganz so einfach ist die Sache nicht. Es werden seitens der Arbeitgeber die Gewerkschaften immer für die üblen Burschen hingestellt, die der Wirtschaft schaden wollen. Totaler Blödsinn!

    Wo wären wir denn heute, wenn nicht Gewerkschaften über Jahrzehnte Rechte für Arbeitnehmer erwirkt hätten? Dann könnten wir froh sein, wenn Arbeitnehmer heute nicht "Leibeigene" der Arbeitgeber wären. Ich bin lange genug Betriebsrat um da inzwischen wirklich einen Durchblick zu haben was in der Wirtschaft abgeht.

    Der Arbeitnehmer zählt nix, und ohne BR gäbe es oft genug reine Willkür. Ich selbst musste mir schonmal wörtlich von einem Geschäftsführer anhören "das Betriebsverfassungsgesetz interessiert mich nicht". Was passiert dann wohl wenn ein Arbeitnehmer sagen würde, Gesetze, Verträge und Bestimmungen interessieren ihn nich? Ja genau, dann trifft ihn die volle Willkür der Chefetage. Und so geht es nicht.

    Eine Arbeitnehmervertretung ist schön und gut, die können aber nicht mehr sagen als "ihr bösen, ihr dürft das nicht machen", und der Arbeitgeber kann trotzdem tun und lassen was er will, aber eine rechtliche Grundlage um gegen etwas vorzugehen haben sie nicht. Ein Betriebsrat dagegen hat diese Möglichkeit.

    Ein Betrieb der sich an Gesetze hält, in denen es gerecht zugeht, in dem alles in geregelten Bahnen läuft, der hat nicht den geringsten Grund einen Betriebsrat zu fürchten - im Gegenteil. Hier kann in Zusammenarbeit mit dem BR das Vertrauen der Arbeitnehmer in den Betrieb gestärkt werden. Schließlich ist der Betriebsrat nach BetrVG zur "vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung verpflichtet" - das gilt auch umgekehrt.

    Zu Reibereien kommt es nur wenn ein Betrieb meint, Gesetze und Verträge würden für ihn nicht gelten. Dann ist der BR ebenso verpflichtet einzuschreiten. Interessanterweise aus meiner eigenen Erfahrung passiert wenn man mal ganz gütlich anfragt und diskutiert meist überhaupt nichts. Erst wenn das ganze vor Gericht landet passiert etwas. Meine Firma ist vorm Arbeitsgericht mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund, und gewonnen haben die bis jetzt noch keinen einzigen Prozess. Das sind alles Kosten die sich vermeiden lassen, ich legs auch nicht drauf an. Aber die lernen nicht draus.

    Und noch zu den Gewerkschaften: ich war bereits bei Tarifverhandlungen dabei. Sicher benutzen die Arbeitgeber das als Instrumentarium um die Gewerkschaften als verrückt hinzustellen wenns wieder mal heisst "die Gwerkschaft XYZ fordert 10% mehr Lohn/Gehalt ... blabla ... realítätsfremd ... blabla". Solche Forderungen zielen nicht auf das als Endergebnis hin, das sind Verhandlungsgrundlagen. Wenn man das fordert was man haben will, z. B. 3%, dann landet man am Ende irgendwo bei 0,5%, weil die Arbeitgeber natürlich Ihre Gegenforderungen haben (längere Laufzeiten als 1 Jahr, Lckerung anderer Vertragspunkte usw. usw.). Ich war bereits mehrmals bei Tarifverhandlungen dabei, udn was da Arbeitgeber so fordern liesse sich teilweise mit einem Rückschritt zum Anfang des 20. Jahrhunderts bezeichnen was Arbeitnehmerrechte anbelangt.

    Zudem sind Tarifverträge teilweise allgemeinverbindlich ausgehandelt, d.h. auch für nicht-Gewerkschaftsmitglieder gültig. Tariflöhne und Gehälter gelten in der Regel nur für Gewerkschaftsmitglieder. Da aber Arbeitgeber in der Regel nicht wissen wer bei der Gewerkschaft ist zahlen sie sie allen. Rechtsanspruch darauf haben aber nur Gewerkschaftsmitglieder. Wer jetzt so lauthals über Gewerkschaften oder Betriebsräte schimpft will doch bestimmt nicht auf das Geld und die Rechte freiwillig verzichten, das Gewerkschaften und Betriebsräte für ihn ausgehandelt haben oder? Sollte doch einer das Rückgrat dazu haben, dann viel Spaß dabei den ganzen Kram mit seinem Arbeitgeber ganz alleine selbst auszuhandeln - dann sieht man nämlich mal was man dem Arbeitgeber als einzelner wert ist: nix, nada. (Ausnahmen wos gut läuft gibt es natürlich auch). Aber das ist die Regel, so ist die deutsche Wirtschaft.

    PS: Außerdem ist es auch möglich einen BR völlig ohne Mitwirkung einer Gewerkschaft zu errichten. Macht aber in der Praxis fast keiner, weil man da jede Unterstützung brauchen kann die mann bekommen kann.
     
  4. tomsche

    tomsche Byte

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    SAP stellt dann wohl diese Ausnahme dar. Die Mitarbeiter bei SAP sind in der Regel hoch qualifiziert und daher hat der Einzelne dort sehr wohl einen hohen Wert für das Unternehmen. Wenn es denen nicht gefällt wechseln die einfach in ein anderes Unternehmen. Daher wird ein BR dort auch eher als störend und kontraproduktiv angesehen. Mal ehrlich, in vielen anderen Ländern geht es auch ohne Betriebsrat. Und so wird der Unternehmenskern, wie so oft, immer mehr ins Ausland verlagert.

    Betriebsräte, Tariflöhne, Kündigungsschutz etc. nutzen einem nur dann etwas, wenn man auch einen Job hat, verstehste?
     
  5. cf11

    cf11 Kbyte

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    @wpasternak: Typische Klassenkampfrhetorik...zwei mal im Jahr darf ich mir auch bei der Betriebsversammlung das gleiche Gesappel des IGM-Vertreters anhören. Leider verteten die Gewerkschaften nur die Glücklichen die einen Arbeitsplatz haben und sorgen mit ihren Forderungen dafür dass keine neuen Jobs geschaffen werden.
    Ein Betriebsrat kann auch nur was bewirken, wenn er von der großen Mehrheit der Arbeitnehmer legitimiert ist. Im Falle von SAP ist das nicht der Fall. Auch wenn es der IGM gelänge von aussen SAP einen BR aufzuzwingen, hätte der wenig zu sagen, weil die Arbeitgeben wissen das er nur eine kleine Minderheit der Beschäftigten repräsentiert.

    PS: Habe letzte Woche bei uns in der Firma an den BR-Wahlen teilgenommen, damit unser Betriebsrat eine breite Unterstützung der Mitarbeiter erhält.
     
  6. EBehrmann

    EBehrmann Halbes Gigabyte

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    @ wpasternak
    Ich habe gerne auf die Unterstützung der Gewerkschaft verzichtet. Mit selbst ausgehandelten Löhnen lag ich im allgemeinen 15 bis 25% über den Tariflöhnen. Mein Chef meinte sogar, eigentlich müsste ich mehr bekommen und einige meiner Kollegen dafür weit unter dem Tarif, aber das geht nicht. Insofern haben tatsächliche einige weitaus mehr bekommen, als sie verdienten.

    Habe früher auch Kollegen kennen gelernt, die meinten: "Ich bin jetzt über 20 Jahre im Betrieb, mich können sie nicht so leicht raus werfen." Diesen Leuten (als Kollegen will ich sie nicht bezeichnen) konnte man dann im gehen die Schuhe besohlen.

    Die faulen S**** haben sich auf Gesetze ausgeruht und waren mit Verantwortlich, dass diese Firma in Konkurs gehen musste und 15 Arbeitsplätze vernichtet wurden.
     
  7. kalweit

    kalweit Hüter der Glaskugel

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    Ein ähnliches Beispiel kenne ich auch. Ein Betriebsrat wurde nur eingerichtet, da es irgendeine bürokratische Notwendigkeit gab. Das hat auch so lange niemanden gestört, bis der Betriebsrat einige "Schulungen" bei der Gewerkschaft besuchte und dort mit einem riesigen Regelwerk in Kontakt kam. Bis dahin ging es allen gut und meines Wissens haben die meisten Angestellten weit über Tarif verdient. Nun kam der Betriebsrat aber auf die Idee, dass das mit dem Verdienst so nicht geht. Ein Teil des Lohns bestand nämlich aus Mehr- bzw. Akkordarbeit, die einfach wie sie angefallen war bezahlt wurde. Das durfte so aber nicht sein! Naja, lange Rede kurzer Sinn: Es wurde nur noch 100% gearbeitet, nur noch 100% bezahlt und Überstunden durch Zeitausgleich entlohnt. Die Produktivität sank und die Firma ist Pleite bzw. aufgekauft. Heute arbeiten dort vornehmlich Hilfskräfte und Berufseinsteiger und die Arbeitsbedingungen und Löhne sind an der untersten Grenze, was vom Gesetz her möglich ist. Glückwunsch...
     
  8. tilman

    tilman Byte

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    SAP-Hasso sollte lieber ins Gesetz schauen. §17 Abs. 4 BetrVG besagt dass schon 3 Leute einen Wahlvorstand einsetzen können. Egal ob nun 91% dagegen sind. Am Ende werden auch die 91% zufrieden sein - denn ein Betriebsrat bringt den Arbeitnehmern mehr Rechte als ein paar Kuschelplätze im Aufsichtsrat.

    Es ist auch nicht so, dass ein BR nur "stress macht" und plötzlich irgendwelche roten Socken alles bestimmen - ein BR ist durchaus an Frieden interessiert. Umgekehrt ist es aber m.W. so, dass in schweren Zeiten nur ein BR die Macht hat, einen Sozialplan mitzubestimmen. So um das Jahr 2000 (als die Internet-Heissluftfirmen viele Leute entlassen haben) könnte man erleben, was in Betrieben ohne BR passierte, da wurden die Leute einfach so von einem Tag zum anderen vor die Tür gesetzt.

    SAP-Hasso sollte sich lieber fragen, wieso man so oft am Telefon den Satz von Leuten hört "XYZ klappt nicht, denn wir stellen auf SAP um".
     
  9. MichaelausP

    MichaelausP Viertel Gigabyte

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    Was hat das denn mit Parteizugehörigkeit und Weltanschauung zu tun? :aua:
     
  10. MiriM80

    MiriM80 Byte

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    Was ist gegen Berufseinsteiger einzuwenden? Irgendwann hat jeder mal angefangen...
     
  11. mdages

    mdages Byte

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    Das immer aggressivere Verhalten der Gewerkschaften und deren Vertreter haben unser Land in den letzten Jahren massgeblich verändert. Einstellungsstop, Entlassungen, Verlagerung ins Ausland, Überbezahlte Facharbeiter, Deutsche kassieren Spitzengehälter und sind daher preislich vom Arbeitsmarkt gesehen in Europa immer weniger attraktiv und konkurrenzfähig.
    Die Gewerkschaften arbeiten schon unlängst am primären Ziel, Arbeitplatzerhaltung, vorbei.

    Nicht nur unsere Politiker sind immer Schuld beim Thema Arbeitsmarkt, sondern auch die Gewerkschaften tragen, ihren wahrscheinlich großen Teil, an der hohen Arbeitslosenquote in unserem Land bei.


    Schade für SAP. Ich hör da schon jetzt Meldungen über Kündigungen und Schliessungen.
    Ich dachte Deutschland sei ein demokratisches Land. Wieso darf dann die Mehrheit nicht bestimmen und die Mehrheit der bei SAP betroffenen ist gegen die Betriebsratpläne. Aber was bedeutet auch schon Demokratie, wenn eine Minderheit sich mit dämlichen Gesetzestexten durchsetzen will. Gewerkschaften = Ende der Demokratie.
     
  12. kalweit

    kalweit Hüter der Glaskugel

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    Nichts. Nur wurden in dem Fall die alten Arbeitnehmer durch die Pleite vor die Tür gesetzt und bei der "Neugründung" durch besagte Gruppen ersetzt (aus reinen Kostengründen).
     
  13. MichaelausP

    MichaelausP Viertel Gigabyte

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    Na, machst du dir das nicht zu einfach? Warum wurden denn Gewerkschaften gegründet? Wie war das denn, als die Herrschende Klasse Arbeiter unterdrückte? Welche Folgen hatte es für Deutschland, für Europa ..?
     
  14. kalweit

    kalweit Hüter der Glaskugel

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    ...und welchen Sinn haben sie heute? Von den Gewerkschaften nehme ich heute eigentlich nur war, dass sie sich permanent Paläste bauen, tausende von Leuten mit der Verwaltung von sich selbst beschäftigen, nicht kleine Vermögen aus den Beiträgen der Mitglieder anhäufen und wenn es wirklich mal um die Rettung von Arbeitsplätzen geht, lässt man den BS vor Ort im Regen stehen, da man sich bei 50 Arbeitsplätze nicht medienwirksam in Szene setzen kann. Grade in den Spitzenetagen ist sich jeder nur selbst der Nächste, die interessieren die Mitglieder einen ****, Hauptsache die Beiträge für das eigene Gehalt sind da.
     
  15. EBehrmann

    EBehrmann Halbes Gigabyte

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    Kalweit, das geht ja noch weiter. Die besseren Gehälter gibt es bei den Gewerkschaften auch nur in den Spitzenpositionen. Die Normalen Mitarbeiter sind gerade bei den Gewerkschaften oft unterbezahlt. Auch die Gewerkschaften haben aus Kostengründen in den letzten Jahren Arbeitsplätze abgebaut. Gewerkschaftseigene Betriebe wurden verkauft, weil sie unter der Führung der Gewerkschaft unrentabel waren.

    @ MichaelausP
    Ja, lange Zeit waren die Arbeiter dann die herrschende Klasse, die dann die Betrieb unterdrückte. 40 Stunden Woche, 39Stunden, 38Stunden, 37,5 Stunden, und der Chef machte sich 60- 80 Stunden krumm um den Betrieb am laufen zu halten.
     
  16. Thomas Meyering

    Thomas Meyering Kbyte

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    Der Gesetzgeber ist da aber anderer Ansicht.

    Auch SAP muss sich an die geltenden Gesetze halten.
     
  17. Thomas Meyering

    Thomas Meyering Kbyte

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    Zur Demokratie gehört es auch, dass die Minderheit (=SAP) die geltenden Gesetze akzeptiert.

    Die Auffassung, dass die Mißachtung von Gesetzen demokratisch sei, ist schon sehr eigenartig.
     
  18. Thomas Meyering

    Thomas Meyering Kbyte

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    z. B. bei der Mißachtung von Arbeitszeitgesetzen...
    z. B. in China. Wenn es dir dort besser gefällt, kannst du ja auswandern.
    ja und? Sollen wir deshalb Betriebsräte, Tariflöhne und den Kündigungsschutz abschaffen?
     
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