Vorkasse: Gern. Fristen: Nö

Dieses Thema im Forum "Erfahrungen mit Firmen" wurde erstellt von clkr, 19. Dezember 2005.

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  1. clkr

    clkr Byte

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    Salut

    Ich hatte mir ein Notebook im Internet ausgesucht und, nachdem ich die Computerhändler und sonstigen Anbieter in der Gegend ergebnislos gefragt hatte, ob sie mir das Gerät beschaffen würden ("nicht gelistet", "nicht mehr gelistet", "mein Großhändler hat das nicht", "dieser Lieferant beliefert uns nicht", "dieses Produkt wird nur über die Discounter-Vertriebsschiene geliefert") mich an die Internet-Anbieter gewandt, die das Gerät feilboten. Einer entgegnete gleich, daß es gar nicht mehr im Angebot sei und alle anderen waren zwar, nachdem sie die Lieferbarkeit mitgeteilt hatten, sehr gerne bereit, gegen Vorkasse zu liefern, weigerten sich aber befremdlicherweise, im Gegenzug auch nur ein Minimum an Verbindlichkeit zu gewähren derart, daß sie mir eine Klausel "Zustellung bis x Werktage nach
    Zahlungseingang oder Rückerstattung des vollen Vorkassebetrags bis x + y Werktage nach Zahlungseingang) zusagten. Einer (KnorFox) reagierte überhaupt nicht auf meine höfliche Anfrage.:confused:

    Schließlich wandte ich mich an den Hersteller selbst - mit Sitz in den US of A. In - wie ich annehme - passablem Englisch, auch wenn es vielleicht so antik wie mein Deutsch ist. Man antwortete mir sogar. Zuerst der übliche marketing bullshit mit "customer satisfaction" usw und dann, daß ich mich halt an einen "european distributor" zu wenden hätte. Wieder was über die US Boys gelernt. Man hat dort nur zufriedene Kunden, indem man unzufriedene Leute gar nicht beliefert. Und ich habe diese Schweinchen-Dick-Mentalität immer für Cartoon gehalten.

    Nachdem ich einige der denkwürdigen Geschichten über mißlungene Geschäftsabwicklungen, die unter dieser Rubrik erschienen waren, durchgelesen hatte, stand für mich fest, daß vielen davon gemeinsam war, irgendwann in irgendeiner Art von Hängepartie stecken geblieben zu sein, die man von vornherein hätte ausschließen können, wenn man sich nur auf ein paar feste Abreden verständigt hätte. Eben das wollte ich ja mit so einer Fristklausel erreichen. Was wäre denn dem Lieferanten
    passiert, wenn er das Maul zu voll genommen hätte und nicht ausliefern hätte können? Als ehrlichem Kaufmann gar nichts, denn er hätte mir den Kaufpreis zurücküberwiesen und fertig. Schließlich wären x und y ja mit mir verhandelbar gewesen. Vorher. Wenn er es nicht fertigbringt, darin seine eigene Dispositionszeitspanne unterzubringen, dann sollte er besser eine Gammelfleischbratwurstbude aufmachen, da wird er wohl immer beliefert.

    Also frage ich mich, was dahintersteckt. Ich denke jedenfalls nicht daran, Vorkasse zu leisten und mich dann endlos hinhalten zu lassen :baeh: und dann noch gezwungen zu sein, dieses Kasperletheater nach unserer Rechtsordnung mit beweisbar zugegangener Androhung der Wandlung und dem ganzen Quatsch unterwerfen zu müssen, nur um wieder an mein Geld zu kommen. Ich bin keine Bank zur Vorfinanzierung unseriöser klammer Internethändler, sondern ein auf faire Interessenwahrung bedachter Endverbraucher. Hat nun der Kapitalismus über den Kommunismus gesiegt oder die Private Planwirtschaft der Zuteilung nach Gusto über die staatliche?


    Adieu
     
  2. steppl

    steppl Halbes Gigabyte

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    6.613
    Wahre Worte, treffend formuliert.
    Ich wüsste -abgesehen von Kleinstbeträgen bei Ebay für den 2003er Jahrgang von "Fix und Foxi"- auch keinen Grund, warum ich jemandem für seinen Ramsch in Vorleistung gehen sollte. Ich träume von solchen Kunden (old economy). Meinen Kunden kann ich eine Vorleistung nur aufdrücken, wenn ich (nachvollziehbar) 50 Tonnen Stahl für die Produktion bestellen muss. Die Retourkutsche ist dann aber meist die Forderung nach einer Erfüllugsbürgschaft :D
    Aber es gibt sie, diese Kunden, zuhauf sogar!
    Es ist die alte Masche: "mal sehen, ob noch ein paar Idioten bestellen, wenn ich dann irgendwann genug beisammen habe, kriege ich günstigere Konditionen"...
     
  3. clkr

    clkr Byte

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    33
    Salut

    das Ende vom Lied wird halt sein, daß ich mich demnächst bei einem Discounter anstelle und ein Gerät kaufe, das meinen Wunschvorstellungen so nahe wie möglich kommt. Und mich dann hinterher schwarz ärgere, weil der Austausch eines Nippels, der abgebröselt ist beim durch-die-Lasche-ziehen , 800 Euro nach dem 91. Tage des Besitzes kostet. Oder so.

    Bemerkt habe ich immerhin, daß es einige merkwürdige Parallelgesellschaften gibt: Da gibt es Hersteller, die diverse Distributionsschienen haben. Für die Plebs Serien, die über diese Metro-Läden verkloppt werden und dann noch ein Premium-Segment, das dort nicht zu haben ist (während der Händler um die Ecke sich dunkler Kanäle bedienen muß, wenn er an die Massenware kommen will). So, als würde der Daimler seine Karossen in der Prolo-Variante woanders verkloppen als die Klavierlack-Version. Nur, daß drinnen überall derselbe Fossileneregieverbrenner steckt.

    Adieu
     
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