Wirtschaftsfaktor Kopie.

Dieses Thema im Forum "Smalltalk" wurde erstellt von NF, 19. März 2005.

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  1. NF

    NF Kbyte

    Registriert seit:
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    Beiträge:
    220
    Ersparen wir uns die juristischen Überlegungen und betrachten die Sache mal von einer anderen Seite:

    Kopie schadet den Inhabern von Urheberrechten. Andererseits ist sie längst fester Bestandteil der Computerwirtschaft.
    Beispeile??
    -Kennt Ihr viele Leute, die sich einen Ipod mit 40GB kaufen und alle Stücke erstanden haben? Wird Piraterie Apple retten?
    -Der Grossteil aller Speichermedien wird für Urheberrechtsgeschützte Daten verwendet, die nicht immer legal erworben sind. Musik, Video, Aufnahmen von streaming content, und sogar Fernsehaufnahmen sind oft problemetisch.
    -Noch vor Kurzem hat die Presse, auch PC-Welt mit Titeln wie "alles geknackt" kräftig Umsatz gemacht.
    -Die Broadbandanbieter wissen genau, warum viele User Bandbreite kaufen. Wer denen zuviel auf die Finger schaut, riskiert schlichtweg Pleite zu machen.
    -Was vielleicht am bedeutendsten ist, dass vielleicht die gesamte Hardware-Industrie von der Kopie profitiert.
    Viele Anwendungen, die den ständigen Leistungsschub legitimiren, sind oft illegal eingesetzt oder selbst zweifelhafter Natur. (Divx-Encoding, teure Grafiksoftware, neueste 3d-Spielchen) Dejenige, der sich 3,4 mal pro Jahr eine Anwendung (die er wirklich braucht) kauft "verbraucht" viel weniger an Hardware als der Hobby-Pirat, der einfach alles ausprobieren und installieren muss.

    Kopien gab es auch im analogen Zeitalter, im digitalen sind sie aber bedeutend einfacher und gefährlicher.
    Anderseits lebt das digitale Zeitalter, welches auch kräftig vermarktet wird, von der Verbreitung immer grösserer Datenmasssen, und diese werden eben nur zum Bruchteil legal erworben.

    Die Software/Musik/Film Hersteller wissen das aber natürlich alles, und sie wissen auch, dass sie Möglichkeiten haben, davon zu profitieren, auch wenn unterm strich doch noch ein Verlust bleibt.
    Nur ein Bsp: Ich kenn jemanden, der sich eine Playstation gekauft hat, nur um sich so viele Spiele wie möglich zu brennen, als "Sammlung" sozusagen. Er hat auch einige Originale gekauft, aber praktisch nie irgendetwas gespielt: Also doch noch lohnend für Sony. Was Musik angeht: viele Bands kämen ohne Kazaa bei vielen Leuten niemals zu Gehör. Wird dann tatsählich eine CD
    gekauft, ein Konzert besucht, ist das doch noch ein gutes Geschäft, selbst wenn einige CDs bereits illegal auf der Festplatte sind...
     
  2. Hellraver

    Hellraver Byte

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    51
    Eine Playstation kaufen um sich soviele Spiele wie möglich zu brennen? :aua: Ist mir ganz neu das eine Playstation CD's brennen kann. Aber mal im ernst! Deshalb brauche ich mir doch keine Playstation zu kaufen. Wenn es ihm nur darum geht die Spiele zu brennen, so braucht er in erster Linie einen PC. Denn mit einer Playstation kann man sowieso nicht CD's brennen. Wozu aber noch eine Playstation wenn er eh nie spielt und stattdessen soviele Spiele wie möglich brennen möchte? Wenn ich mir schon eine Playstation kaufe, dann nicht um soviele Spiele wie möglich zu brennen, sondern um soviele gebrannte CD's wie möglich zu spielen. Um das aber noch zu ermöglichen, fehlt ein gewisser Chip. Also, warum hat er sich jetzt tatsächlich eine Playstation gekauft?
     
  3. Koschka

    Koschka ROM

    Registriert seit:
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    Beiträge:
    5
    Fakt ist:

    Hab ich mir im Jahre 1972 eine Vinylsingle von Pink Floyd gekauft, hat die im *********(Scheiben haben das oft nach knapp nem Jahr nach der Veröffentlichung bekommen) 5,5 DM gekostet. Beim Erscheinungsdatum haben die Scheiben Maximal 9,9 DM gekostet. Der Preis errechnete sich aus ner Menge Faktoren, die teilweise auch jetzt noch vorhanden sind.

    Zum einen haben wir die Gewinnspanne des Rechteeigentümers, die Gewinnspanne des Labels, Hersellungskosten (Bei Vinyl wesentlich teuerer als CDs), das Coverart (Früher wesentlich teuerer, da alles noch gesetzt und über aufwändige Verfahren in einer Collage zusammengestellt werden musste.) Dann die Gewinnspanne des Vertriebs/Händlers.

    Heute bezahle ich für eine Single 9,99 DM, bzw. um die 5,5 €. Natürlich gibt es auch noch *********-Aktionen, die aber erst nach mehreren Jahren. Bei Produktionskosten von 0,10-0,40 Cent pro CD (dann aber auch nur, wenn die CD sehr aufwändig bedruckt ist, einem sehr vereinfachten Verfahren zur Covergestaltung, müssen wohl einige andere Faktoren etwas angestiegen sein. Welche das wohl sind? Hmmm… lass mich mal überlegen, da war was mit Gewinnspanne… ups… stimmt ja… (witziger Weise ist es nicht die der Künstler, die zu fast den gleiche Sätzen entlohnt werden wie vor knapp 30 Jahren.)
    Auf Wunsch werde ich das auch gerne an einem Fallbeispiel belegen, das müsste ich aber erst suchen. Aber auf Wunsch gerne.

    So, nachdem wir mal das geklärt haben, ein anderer Aspekt.
    Früher war es absolut legitim und legal, eine analoge Kopie von etwas anzufertigen. Das ist es im Wesentlichen jetzt auch noch, aaaaber… jetzt kommt der Knackpunkt:

    Waren früher solche Kopien sogar gewollt, weil sie zur Bewerbung und Verbreitung eines Produktes beitrugen, konnten sie nur in einem gewissen Umfang durchgeführt werden. Ich erinnere mich noch an einen Rekorder, ein Umschneidegerät, das 10 Kopien in Dolby B simultan auf 10 Tapes schneiden konnte, das ding war so groß wie ein Tisch. Kann sich noch jemand an die Doppeltaps erinner? Oder an die Schnellaufnahmefunktion? Aaa… stimmt ja, da war was… Komisch… irgendwie alles verschwunden. Egal. Durch das Umschneiden gab es einen erheblichen Qualitätsverlust. Zumindest messbar war er und damit war dieser Standart ja auch gut genug für die Ohren der Normalbürger.

    Aber das ist auch gar nicht das Problem, noch nie gewesen: Schaut man sich die Halbwertszeit von Musik vor 30 Jahren an, so stellt man schnell fest, dass Musik früher wesentlich langlebiger war. Dieser Effekt ist bedingt durch ein breiteres Vorhandensein an Auswahl aber auch und das ist mein Hauptkriterium durch die stetige Abnahme der Qualität der Musik. Musik ist ein Kurzzeitprodukt geworden, das gar nicht dafür ausgelegt ist über längere Zeit zu unterhalten. Würde eine Scheibe für längere Zeit wirklich unterhalten, dann würde sie andere Produkte vom gleichen Label blockieren. Oha, wie das? Naja, ganz einfach, früher gab es knapp 20 nennenswerte Labels, die sich den Markt teilen mussten und gegeneinander konkurrierten, jetzt gibt es noch genau 5 Stück – weltweit!
    Aber auch die Qualität der Medien hat stark nachgelassen. So hatte zum Beispiel eine CD von vor 10 Jahren eine Fehlerquote von 40/200000. Eine CD von heute hat ungefähr eine Quote von 20000/200000. Wenn ich mir eine CD kaufe dann hat diese mindestens 200-2000 Fehler! Das sind natürlich nur kleine Bitfehler, die von immer leistungsfähigeren Chips kompensiert werden können. Die meisten wissen aber nicht, dass diese Fehler dennoch hörbar sind, man nimmt sie meistens nur nicht wahr. Ein gutes Gehör kann aber dennoch hören, wenn ein Ton ressamplet wurde, oder nicht. Ältere Geräte quittieren das aber mit Streik.

    Die erhöhte Fehlerzahl resultiert zum großen Teil daraus, dass die Produktionskosten- und natürlich auch die Zeiten erheblich gesenkt werden (müssen). Zusammen mit der einhergehenden Kurzlebigkeit von Meiden und Inhalt ist das ja auch nicht schlimm. Man kauft sich ne CD und hört sie maximal ein Jahr später noch einmal im Jahr.

    Für mich stellt sich das ganze so dar:

    Entertainmentunternehmen produzieren immer mehr Musik und übersättigen den Markt. Da aber nicht nur die Kaufkraft gesunken ist, sondern auch die Qualität der Produkte kaufen die Leute immer kleinere Anteile aus diesem Markt.

    Beispiel:

    Wenn ich ein Label hab, das 10 unterschiedliche CDs aus unterschiedlichen Sparten mit einer Stückzahl von 100 vertreibt und es werden insgesamt 200 CDs von dem Label verkauft, dann ist die Chance recht groß, dass aus jeder Sparte von jeder CD einige gekauft wurden. Durch das muntere Aufkaufen und Schlucken der Labels hab ich jetzt aber nicht mehr 10 unterschiedliche CDs sondern 4000. Wenn die Kaufkraft in etwa gleich bleibt hab ich einen geringeren Gewinn pro produzierte Scheibe (die nicht gekauften Scheiben sind ja umsonst produziert).
    Was mach ich? Ich suche den Grund dafür. Jetzt gibt es da seit einiger Zeit die Bösen Leute, die MP3s machen und auch noch, oh Schande, CDs brennen. Also sich nicht die Originale bei mir kaufen sondern meine Rohlinge und Brenner kaufen(die biete ich natürlich schon auch an, denn wenn ich’s nicht mach, machts jemand anderes) und dann mein Qualitätsprodukt raubkopieren). Schlimm schlimm. Denn, klar ich verdiene schon dran aber halt viel weniger, als wenn die Idioten das Original kaufen würden.

    Ich bin mir übrigens absolut sicher, hätten wir ähnliche Absatzverhältnisse wie in den 70ern, dann würde das kein Schwein stören, wenn die Leute munter rumkopieren. Der Unterscheid zwischen analoger Kopie und digitaler Kopie ist meiner Meinung reine Augenschwischerei. Die Unternehmen spekulieren darauf, dass die Leute sich nicht die Ausrüstung besorgen um eine einigermaßen guten Kopierqualität zu erreichen. (Die Ausrüstung dazu bieten wir natürlich auch an, wie gesagt, wenn wir nicht, dann machen es die anderen).

    So, die Hersteller fordern also unter Strich von mir, dass ich ein beschissen produziertes Produkt (das bei der Pressung oft mehr Fehler hat, als meine Brennung) überteuert kaufe mich nebenbei noch brav darauf verlasse, dass das Produkt so lange hält, wie ich es nutzen will (das versprechen sie mir ja auch) oder mir eben dann eine Ersatzlieferung besorge – die natürlich auch was kostet. Auch nebenbei verlangt der Hersteller von mir, dass ich damit einverstanden bin, dass er Gesetze vorantreibt die zwar seine Rechte besser schützen, meine GRUNDRECHTE aber einschneiden. GEHT’S NOCH?

    Vielleicht kommen die Hersteller auch mal drauf, dass man mittlerweile seine Rechte auf ein einwandfreies Produkt einfordert. Vielleicht würde ich sogar Sony & Co. ihre hanebücherne Argumentation abnehmen, wenn sie an den Rohlingen und den Geräten, die genau das bewerkstelligen was sie so verteufeln nicht auch noch ordentlich verdienen würden.

    Ich als Musiker und Konsument bin der Meinung, wenn mich ein Produkt überzeugt, dann kaufe ich es mir. Daher Kaufe ich mir eine CD nur dann, wenn sie mir wirklich gefällt. Wenn dann auch noch der Presi stimmt, fällt mir das wesentlich leichter. Aber der Preis stimmt nicht, die Produktionskosten sind erheblich gesunken, die Gewinnspanne aber erheblich gestiegen. Das sehe ich nicht ein.

    Jetzt gibt es aber Dinge, an denen ich nicht vorbei komme. Beispielsweise MS Windows. Durch Lobbyismus wurde dieses Produkt dermaßen verbreitet, dass ich nicht die Möglichkeit habe eine Alternative zu wählen. Linux ist ne tolle Sache, wird aber gegenwärtig noch nicht so umfangreich supportet wie Windows. Und ich kaufe mir ganz sicher nicht zwei Versionen von XP, wenn ich zwei Rechner nebeneinander stehen hab. Und ich kaufe mir auch sicher nicht eine zweite CD von einer Scheibe, und wenn sie mich noch so überzeugt, nur um sie im Auto und zuhause hören zu können.

    Andererseits ist es auch nicht einzusehen, dass sich ein Hersteller bemüht eine einigermaßen anständiges Produkt zu erstellen, das dann zu nem anständigen Preis veröffentlicht und es wird nicht gekauft, weil irgendwelche Vollspaks es raubkopieren und kommerziell vertreiben.
    Wenn mich ein Kumpel fragt, ob er das und jedes von mir haben kann, dann geb ich es ihm. Kein Thema. Wenn ich was brauch, frage ich, wenn mich ein Produkt aber wirklich überzeugt, verdammt noch mal, dann hab ich auch die Pflicht das Produkt zu unterstützen und die Leute, die sich die Arbeit gemacht haben für ihre Anstrengungen zu entlohnen.
    Ein Beispiel hierfür ist beispielsweise NWN. ChatNoir wollte es spielen, ich hab es mir dann auch installiert um es im Netzwerk mit ihr zu zocken. Das geht mit einer Version toll, die Seriennummer, war nicht mal ein Problem. Jetzt will ich eben auf Servern spielen, wo ich eine legale Serial brauch. Weil mich das Produkt wirklich überzeugt, werde ich mir eine weitere Version besorgen. So einfach ist das. Zwar schreckt mich noch etwas der Preis ab, angesichts der Qualität und der Lebensdauer der Unterhaltung nehme ich das schon in Kauf. Schau ich mir hingegen den Spielspaß und die Lebensdauer von Doom3 an, sorry, ich bin froh, für dieses Mistspiel nur die Downloadkosten gehabt zu haben.

    So, ich hab jetzt wieder viel zu viel geschrieben aber sorry, das musste jetzt sein.

    Koschka
     
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